Mythos: Schweinefleisch

In der Hundeernährung ist die Fütterung mit Schweinefleisch sehr umstritten. Manch einer deklariert es sogar als giftig oder hoch infektiös. Auch wird es verdächtigt, bis zur berühmten Oberkante des Unterkiefers voll mit Antibiotika gepumpt zu sein, was für die Gesundheit unserer Hunde auch nicht gerade förderlich ist.

Aber sind die Produkte der tierischen Glücksbringer wirklich so kritisch?

Schweinefleisch ist besser als sein Ruf.

Gib’s zu: Bei Schweinefleisch denkst du – genau wie ich auch – zuerst an den fettigen Braten, die deftige Haxe oder das frisch gegrillte Nackensteak. Das ist nicht unbedingt das, was man mit einer gesunden Ernährung verbindet. Dabei haben insbesondere das Filet oder Schnitzel einiges mehr zu bieten!

Beginnen wir mit der Aussage bezüglich des Antibiotikums. Seine Menge im Schweinefleisch hängt nicht pauschal damit zusammen, dass es von Schweinen stammt. Stattdessen spielt die Haltung der Tiere und der damit einhergehende Medikamenteneinsatz die Hauptrolle.
In der Massentierhaltung setzen Tierärzte Antibiotika und andere Medikamente ein, um Epidemien unter den Tieren und damit wirtschaftliche Verluste für den Landwirt zu vermeiden. Dementsprechend ist dieser Aspekt nicht nur bei Schweinen, sondern auch bei anderen, in Massen gehaltenen Tieren zu finden.
Um ihm zu entgehen, musst du also nicht die Tierart wechseln, sondern das Fleisch von anders gehaltenen Tieren (z.B. denen auf Demeter-Höfen) kaufen und verfüttern.

Es hat ein interessantes Vitamin-Angebot.

Das Fleisch der Schweine beinhaltet bis auf die Vitamine C und D alle notwendigen Nährstoffe. Besonders auffällig ist jedoch der Gehalt an Vitamin K, der deutlich über dem  anderer Tierarten liegt.
Dieses Vitamin fällt leider sehr oft bei der Zusammenstellung von selbstzubereiteten Rationen unter den Tisch. Das hängt damit zusammen, dass es neben dem Schweinefleisch hauptsächlich in Kohlsorten, Spinat oder Hülsenfrüchte enthalten ist, die nur vereinzelt im Hundenapf landen [vermutlich aufgrund der geruchsintensiven Nebenwirkungen].
Folglich kann es schnell passieren, dass der Bedarf deines Hundes an Vitamin K nicht gedeckt wird.

Dabei ist das Vitamin K echt wichtig! Es kontrolliert die Blutgerinnung und verhindert, dass sich Calcium in den Arterien ablagert. Weiter aktiviert es die Knochenbildung und soll sogar vor Krebs schützen.

Darüberhinaus enthält das Muskelfleisch von Schweinen mit durchschnittlich 5mg/100g fast doppelt soviel Vitamin B7 „Biotin“ wie z.B. Rindermuskelfleisch (2,8mg Biotin je 100g).
Das Vitamin trägt zur Gesunderhaltung der Hundehaut, seines Fells (siehe meinen Artikel Eier sind gut für’s Fell!) und zur Stabilität der Hundekrallen bei.

Der einzige Nährstoff, auf den du bei der Verwendung dieser Fleischart allerdings achten musst, ist das Vitamin A. Schweinefleisch enthält auch hier mehr als  vergleichbare Produkte anderer Tierarten.
Es besteht also das Risiko, dass – z.B. bei zusätzlicher Gabe von Leber – eine Überversorgung erzeugt wird, die langfristig gesehen schwerwiegende Folgen für deinen Hund haben kann.

Und es bietet viel Eiweiß an.

Dein Hund braucht Proteine, um seine Köperzellen aufzubauen bzw. zu erneuern. Auch beim Transport der Nährstoffe, der Regulierung des Stoffwechsel und bei der Stärkung des Immunsystems spielt das Eiweiß eine große Rolle.

Und an dieser Stelle punktet das Schweinefleisch erneut: Sein Eiweißgehalt liegt mit mind. 26g Eiweiß pro 100g Fleisch deutlich über dem, das andere Fleischsorten (z.B. Rindermuskelfleisch mit ca. 19,6g Eiweiß pro 100g) bieten.
Du brauchst also weniger Fleisch vom Schwein als z.B. vom Rind oder Wild, um den gleichen Eiweißgehalt in deiner Futterration zu erreichen.
Das kann insbesondere für die Hundehalter von Vorteil sein, die die Fleischmenge im Futter ihres Hundes reduzieren möchten. Oder bei deren Vierbeiner aus gesundheitlichen Gründen eine proteinreiche, aber fettarme Ernährung angesagt ist.

Bis hierher sieht es also danach aus, als ob Schweinefleisch doch eine sehr gute Zutat für dein Hundefutter ist und seinen schlechten Ruf zu Unrecht trägt.

Schweinefleisch

Wäre da nicht das Aujeszky-Virus!

Das Schwein ist der Hauptwirt eines Herpeserregers, der die sog. Aujeszkysche Krankheit (AK) auslöst. Sie ist weltweit verbreitet und hochansteckend. Schon alleine der Kontakt mit infiziertem Urin, Boden, Speichel reicht zur Übertragung aus. [Dein Hund muss also theoretisch noch nicht mal infiziertes Fleisch fressen, um daran zu erkranken.]

Bei betroffenen Hunden treten innerhalb kürzester Zeit tollwutähnlichen Symptome auf: Appetitlosigkeit, Mattigkeit, manchmal Ruhelosigkeit mit Bellen oder Winseln, Atemnot, Schluckbeschwerden etc.
Am Auffälligsten ist der entstehende Juckreiz, der so heftig werden kann, dass die kranken Hunde sich selbst verstümmeln. Da es keine Heilung gibt, versterben sie binnen weniger Tage.

Das Herpesvirus zeichnet sich durch eine hohe Überlebensfähigkeit aus. So stört es sich nicht daran, wenn das Fleisch geräuchert oder gepökelt wird. Deshalb kann dieser Virus beispielsweise auch in einer geräucherten Wildschweinwurst oder im Kasseler enthalten sein, der noch nicht gebraten oder gekocht wurde!

Hinzu kommt, dass der Erreger bei 4°C mehrere Monate lang problemlos überlebt. In eingefrorenem Fleisch bleibt er bis zu 36 Tage noch aktiv. Selbst eine Temperatur von ca. 80°C übersteht das Virus bis zu 8 Minuten unbeschadet. Erst dann stirbt es ab.

Merke: Rohes, gepökeltes oder geräuchertes Schweinefleisch hat nichts im Hundemagen zu suchen! Lediglich dann, wenn es im kochenden Wasser vollständig durchgegart wurde, kannst du es verfüttern.

Aber Deutschland gilt doch als Aujeszky-frei!

Diese Aussage ist etwas trügerisch, denn nur Erkrankungen bei Hausschweinen sind meldepflichtig. Da es hier in den letzten Jahren keine Auffälligkeiten gab, wurde obige Erklärung abgegeben.

Allerdings beträgt die Inkubationszeit der Aujeszky Krankheit bei den Hausschweinen zwischen 2 und 20 Tagen. Hinzu kommt, dass die Erkennbarkeit der Symptome vom Alter der Tiere und dem jeweiligen Virusstamm abhängt. Somit kann es durchaus sein, dass infizierte Schweine bis zu ihrer Schlachtung nur milde bis gar keine Symptome zeigen und ihre Erkrankung deshalb unentdeckt bleibt.

Die Erkrankung bei Wildschweinen ist dagegen nicht meldepflichtig. Dementsprechend verbreitet sich der Virus unter ihnen weiter, was beispielsweise durch ein Monitoring in Niedersachsen belegt wird.

Die Übertragung des Virus von Wildschweinen auf Hausschweine ist leider schnell geschehen. Zum Beispiel kann der Virus durch unachtsame Besucher oder Mitarbeiter problemlos in den Stall gebracht werden, die vorher während eines Waldspaziergangs oder einer Wildschweinjagd mit dem Virus in Kontakt kamen und ihre Kleidung vor dem Stallbesuch nicht gewechselt haben. Dementsprechend ist die Stallhaltung von Schweinen kein Garant dafür, dass ihr Fleisch virusfrei ist!

Wie sieht es mit Schweinefleisch im Fertigfutter aus?

Es gibt nur wenige fertige Futterprodukte, die Schweinefleisch beinhalten, aber es werden langsam immer mehr.
Wie ich im Artikel „Die 3 Gesichter des Trockenfutters“ darauf hinwies, muss jedes Trockenfutter für Hunde einer Hitzebehandlung unterzogen werden, bei der die Kerntemperatur mind. 90°C beträgt.
Nassfutter in Dosen wird sogar über eine Stunde lang bei ca. 120°C sterilisiert.
Deshalb besteht bei diesen Fertigfuttermitteln grundsätzlich keine Infektionsgefahr für deinen Hund, da der Virus die Hitzebehandlung nicht überlebt. Somit sind diese Futtersorten eine schöne Abwechlsung im Futteralltag und bieten auch so manchem Allergiker eine interessante Alternative.

Schweinefleisch

Fakt ist also …

Das magere Fleisch von Haus- und Wildschweinen ist – bezogen auf den Nährstoffgehalt – durchaus besser als so manch anderes Fleisch. Aufgrund des Risikos, dass es den Aujeszky-Virus in sich trägt, darf es allerdings weder roh, geräuchert noch gepökelt verfüttert werden.
Schweinefleisch, das längere Zeit deutlich über 80°C erhitzt wurde, kannst du deinem Hund geben.
Wenn du dir aber nicht ganz sicher bist, ob du das Fleisch ausreichend durchgekocht hast oder du der Herkunft nicht traust, verzichte lieber auf eine Fütterung!

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Aber beachte: Selbstbedienung gibt es bei mir nicht! Bei ungenehmigter Veröffentlichung meiner Texte verstehe ich keinen Spaß!

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Hej, ich bin Maja,
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geprüfte Ernährungstherapeuthin für Hunde und engagiere mich im Hundesport. Hier in meinem Blog auf Napfgeflüster zeige ich dir, wie du deinen Hund artgerecht ernähren kannst.

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