Versuch: Wie verhält sich Trockenfutter im Magen deines Hundes?

der Artikel wurde zuletzt aktualisiert am 15.02.2019

Erst letztens hatte ich wieder einen kleinen Meinungsaustausch mitbekommen, bei dem sich Hundebesitzer über das Quellverhalten von Trockenfuttermitteln und dessen Folgen unterhielten. Ihn nehme ich zum Anlass, um endlich den von mir schon länger geplanten, kleinen Versuch durchzuführen und dir dessen Ergebnis zu zeigen, anstatt – wie angekündigt – die Deklaration zu analysieren.

Anmerkung: Ich gehe davon aus, dass sich andere Futtermittelprodukte der gleichen Herstellungsverfahren bei der Zugabe von Wasser genauso verhalten. Dies müsste jedoch in einer Versuchswiederholung bestätigt werden.

 

Definition: (Auf-)Quellen

Als Quellung, Aufquellen oder Quellen wird ein physikalischer Vorgang bezeichnet, bei dem ein Stoff (meist eine Flüssigkeit, aber auch Gase oder Dämpfe) in einen Festkörper eindringt und eine Volumenvergrößerung des Letzteren bewirkt.1

 

Der Versuchsaufbau

Von vier verschiedenen Trockenfuttersorten für Hunde (1x kaltgepresstes, 1x Extruder-, 1x gebackenes, 1x halbfeuchtes Futter) gebe ich jeweils 60g zusammen mit jeweils 200ml Leitungswasser in ein Glas.
Diesen Aufbau habe ich im Verlauf von 2 Stunden beobachtet. Am Ende wurden die Futtermengen gewogen und das übrig gebliebene Wasser gemessen.

Das verwendete Wasser kommt direkt aus dem Hahn (wie vom Hersteller angegeben), ohne anderweitig vorbereitet zu werden (z.B. durch Erhitzen). Es stellt das Wasser dar, das der Hund entweder direkt zusammen mit dem Futter aus dem Napf aufnimmt oder im Anschluss trinkt.

Die Futtersorten habe ich von meinem Mann willkürlich auswählen lassen, da bei diesem Versuch nur die Herstellungsart relevant ist.

Ziel des Versuchs

Die Produzenten werben bei einigen Herstellungsverfahren (z.B. beim gebackenen oder kaltgepresstem Futter) und unabhängig der verwendeten Zutaten damit, dass ihr Futterprodukt nur wenig bis gar nicht aufquillt. Mit diesem Versuch möchte ich diese Angabe veranschaulichen.

die Ausgangssituation

Versuch Quellverhalten Trockenfutter - Ausgangssituation

Von links nach rechts wurde kaltgepresstes, Extruder-, gebackenes bzw. halbfeuchtes Futter in die Gläser gegeben. Bei diesem Schritt fällt bereits die unterschiedliche Füllhöhe der einzelnen Futtersorten auf. Das gebackene Futter hat das größte Volumen, dicht gefolgt vom Extruderfutter. Es folgt das halbfeuchte und zum Schluss das kaltgepresste Futter.

die Zugabe des Wassers

Versuch Quellverhalten Trockenfutter - Wasserzugabe

Nach der jeweiligen Zugabe von 200ml Wasser fällt auf, dass sowohl das kaltgepresste als auch das halbfeuchte Futter am Boden des Glases bleiben. Das Extruder- und das gebackene Futter schwimmen an der Oberfläche. Weiter fällt auf, dass sich in den beiden linken Gläsern (kaltgepresst und Extruder) bereits die ersten Schwebeteilchen aus den Futterbrocken lösen.

nach 5 Minuten

Versuch Quellverhalten Trockenfutter - nach 5 Minuten

Die deutlichste Veränderung ist in dem Glas mit dem kaltgepresstem Futter festzustellen: Die Futterbrocken zerfallen sehr schnell zu dem Mehl, aus dem es ursprünglich hergestellt wurde. Weiter fällt auf, dass sich das Wasser vom Extruderfutter verfärbt hat. Beim halbfeuchten Futter gibt es keine Veränderung.

nach 15 Minuten

Versuch Quellverhalten Trockenfutter - nach 15min

Sowohl das Extruder- als auch das gebackene Futter haben etwas an Volumen zugelegt. Zudem hat sich das Wasser vom gebackenen Futter leicht eingetrübt. Das halbfeuchte Futter ist ohne Veränderung. Stattdessen sind die einzelnen Stücke vom kaltgepressten Futter fast komplett zu Mehl zerfallen.

nach 30 Minuten

Versuch Quellverhalten Trockenfutter - nach 30 Minuten

Während das halbfeuchte Futter auch weiterhin fast unverändert ist, ist bei den drei anderen Futtersorten eine weitere Volumenzunahme zu verzeichnen.

nach 1 Stunde

Versuch Quellverhalten Trockenfutter - nach 1 Stunde

Beim kaltgepressten Futter sind die ursprünglichen Futterstücke gar nicht mehr zu erkennen. Die mehlartige Substanz hat an Volumen gewonnen.
Das Extruderfutter hat im Bezug auf die Volumenzunahme das gebackene Futter überholt.
Beim halbfeuchten Futter ist eine leichte Verfärbung des Wassers zu bemerken.

nach 1,5 Stunden

Versuch Quellverhalten Trockenfutter - nach 1,5 Stunden

Das kaltgepresste Futter füllt den Wasserbereich in seinem Glas fast vollständig aus. Beim Extruderfutter hat weiter an Masse zugelegt und weitere Schwebeteilchen abgesondert. Das Wasser vom gebackenen Futter hat sich leicht eingetrübt. Nun beginnt auch das halbfeuchte Futter minimal an Volumen zuzulegen.

nach 2 Stunden

Versuch Quellverhalten Trockenfutter - nach 2 Stunden

Nun füllen sowohl das kaltgepresste, das Extruder als auch das gebackene Futter den größten Teil ihres Glases
aus. Beim halbfeuchten Futter bleibt es bei der minimalen Volumenzunahme.

Die Veränderungen im Detail

a) das kalt gepresste Futter

Von den ursprünglichen 200ml Wasser blieben nur ca. 50ml übrig. Das bedeutet, dass die Futterbrocken ca. 150ml Wasser aufgenommen haben. Das abschließende Wiegen ergab, dass aus 60g trockenem Futter ca. 229g Brei wurden (Zunahme um 169g).

Hinweis: der Brei auf dem rechten Bild entspricht nicht 1:1 eines ursprünglichen Futterbrocken, sondern dient der Veranschaulichung der Futterveränderung.

b) das Extruder-Futter

Von den ursprünglichen 200ml Wasser blieben ca. 130ml zurück, die aber deutlich eingefärbt sind. Das Wiegen der Futterstücke ergab, dass aus 60g Rohmasse 130g wurden (Zunahme um 70g), wobei die Futterstücke trotz Wasseraufnahme ihre eigentliche Form grundsätzlich beibehielten. Es fiel auf, dass diese Futterstücke nicht komplett durchgeweicht waren.

c) das gebackene Futter

Das verbliebene Wasser ist bei dem gebackenen Futter zwar auch trüb, aber deutlich weniger eingefärbt wie z.B. das Restwasser vom Extruderfutter. Es reduzierte sich von 200ml auf ca. 120ml. Das Wiegen ergab eine Gewichtszunahme von 63g (von 60g auf 123g). Ein Vergleich der Futterbrocken zeigt, dass auch hier die ursprüngliche Form trotz der Wasseraufnahme im Grunde beibehalten wurde.

d) das halbfeuchte Futter

Aus 200ml Wasser wurden beim halbfeuchten Futter ca. 160ml. Das Wiegen ergab eine Gewichtszunahme um 49g (von 60g auf 109g). Die Form der Futterbrocken wurde hier ebenfalls weitestgehend beibehalten.

Das Ergebnis des Tests „Quellverhalten des Trockenfutters“

Am Auffälligsten ist das Verhalten des kalt gepressten Futters: Es zerfällt sehr rasch zu dem Mehl, aus dem es hergestellt wurde, und bildet in Verbindung mit dem Wasser einen Brei. Weiter hat es in etwa 3/4 der Flüssigkeit aufgenommen, wordurch es sein Gewicht fast vervierfacht hat! Dieses Quellverhalten wurde so nicht erwartet, da es lt. Hersteller nicht quellen soll.

Ähnliches können wir beim gebackenen Futter feststellen: Die Wasseraufnahme und die Gewichtszunahme liegen nur etwas unter dem des kalt gepressten Futters. Auch hier wird also entgegen der Hersteller-Angabe ein Aufquellen verzeichnet.

Eine ähnliche Flüssigkeitsaufnahme und Gewichtszunahme weist das Extruder-Futter auf. Allerdings ist dies von dieser Futtersorte bekannt und wurde dementsprechend erwartet.

Im Gegensatz dazu zeigt das halbfeuchte Futter die geringste Wasseraufnahme. Zwar entspricht dies ebenfalls nicht hunderprozentig der Hersteller-Angaben, aber es kommt ihnen doch recht nahe. Der Grund ist darin zu finden, dass diese Futtermittelart von Anfang an deutlich mehr Feuchtigkeit beinhaltet als die Vergleichsprodukte und es deshalb nicht mehr so viel Wasser aufnehmen kann.

Letztendlich zeigt sich: Auch Futtermittelproduzenten
können Naturgesetze nicht außer Kraft setzen!

Dieser Artikel ist Teil meiner Serie „Fertigfutter-Geflüster“. Bisher sind folgende Artikel erschienen:

  1. Einleitung
  2. Welche Fertigfutter-Arten gibt es für deinen Hund?
  3. Die 3 Gesichter des Trockenfutters
  4. Sonderformen der Fertigfuttermittel
  5. Versuch: Wie verhält sich Trockenfutter im Magen deines Hundes?
  6. Geheimcode „Deklaration“

1 Quelle: Wikipedia, Stand: 19.10.2018

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Aber beachte: Selbstbedienung gibt es bei mir nicht! Bei ungenehmigter Veröffentlichung meiner Texte verstehe ich keinen Spaß!

Dieser Beitrag hat 2 Kommentare

    1. Gern geschehen! Ich bin durch Zufall mal auf einen ähnlichen Versuch mit nur zwei Trockenfutterarten gestoßen, der mich über das Thema nachdenken ließ. Das hat mich nicht losgelassen, bis ich dann den Versuch selbst durchgeführt habe und das Verhalten mit eigenen Augen beobachten konnte. Ist schon interessant, was bei rauskam, oder?

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Hej, ich bin Maja,
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geprüfte Ernährungstherapeuthin für Hunde und engagiere mich im Hundesport. Hier in meinem Blog auf Napfgeflüster zeige ich dir, wie du deinen Hund artgerecht ernähren kannst.

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